Hat das Streitschlichterprojekt eine Zukunft?
Nach dem Umzug der 5. bis 9. Klassen des Peter-Wust-Gymnasiums nach Wengerohr gestaltet sich die Weiterführung des Streitschlichter-Projektes als äußerst schwierig. Trotz widriger Umstände wollen die 28 Streitschlichter und Streitschlichterinnen vorerst nicht aufgeben und weiter für ihre Mitschüler und Mitschülerinnen da sein.
Nachdem die Schüler-Mediation am PWG im September 2009 so gut angelaufen war und sehr gut von den "Kleinen" angenommen worden war, fand das Projekt erst einmal ein jähes Ende, denn es gab am Außenstandort Wengerohr keinen freien Raum, der für eine Mediation zur Verfügung gestanden hätte. Die Mediations-Materialien - die vertraulichen Vereinbarungen, der Mediations-Verlaufsplan, der Terminkalender und der Wochenplan - konnten erst einmal im Dienstzimmer der Schulleitung sicher deponiert werden.
Nun gibt es eine Behelfslösung: Ein Unterrichtsraum, der als Ausweichraum für evangelische Religion und Latein mit wenigen Stunden belegt ist, kann als Mediationsraum mitbenutzt werden - leider aber nur an drei statt wie bisher an fünf Tagen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass der Raum auch für Elterngespräche genutzt werden darf und es unter Umständen so zu Terminkollisionen kommen kann. Ferner ist der Behelfsraum als Lehrraum und nicht als Mediationsraum eingerichtet und die Mediatoren/Mediatorinnen müssen bei einer Streitschlichtung immer wieder die vorgeschriebene Sitzordnung (Streithähne und Streitschlichter in einer Sitzgruppe um einen runden Tisch für ein Gespräch auf Augenhöhe) herrichten und natürlich nach der Mediation wieder abbauen. Außerdem müssen die Materialien aus dem Depot geholt und danach wieder hingebracht werden. Wie viel zusätzliche Energie und Zeit, die die Streitschlichter/innen aufbringen!
Die Mediatoren/innen hoffen, dass sie nach den Osterferien einen eigenen Raum mit geeigneter Sitzordnung bekommen, den sie zur Ablage ihrer Materialien und zur Streitschlichtung verwenden können. Ein Damoklesschwert schwebt sowieso noch über allen Bemühungen: Sollte es bis zu den Sommerferien keine Wiedervereinigung der Schulgemeinschaft des PWG geben, werden die jetzigen Streitschlichter in der 10. Klasse sein und damit zurück im "Stammhaus" in der Koblenzerstraße. Dann wäre alle Arbeit umsonst gewesen, Streithähne und Streitschlichter könnten nicht zusammen kommen. Wie viele verschwendete Ressourcen wären das dann? Vier in Fortbildungen ausgebildete Mediationslehrer, eine monatelange in AGs geleistete Ausbildung der Schüler-Streitschlichter, eine von Firmen in der Region gesponserte und von Eltern restfinanzierte Fahrt nach Prüm, Schüler, die gehindert werden, ihre Fähigkeiten anzuwenden und zu vervollkommnen! Kann es sich die Gesellschaft leisten, so viel soziale Kompetenz, pädagogisches Engagement und auch Geld zu verschwenden? Und das, obwohl die Mediation dazu beitragen kann, Mobbing zu bekämpfen, Wut, Hass und Frust abzubauen - Gefühle, wie sie sich in der Vergangenheit in Winnenden Ausdruck verschafft haben.
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